Brauchtum

Altes Brauchtum neu erfunden - der Wandel des Krampus

Im November, wenn die Adventzeit beginnt und es draußen kälter wird, treiben sich vielerorts im Ostalpenraum - von Bayern über Tirol, Salzburg und Kärnten bis hin nach Norditalien und Slowenien, teilweise auch noch weiter - wieder die finsteren Gestalten mit Larve, Fell und laut schellenden Glocken umher und versuchen sich bei den stetig mehr werdenden, teilweise professionell organisierten zur Schaustellungen gekonnt zu präsentieren, was bei den schaulustigen Besuchern zum Einen für Unterhaltung sorgt und zum Anderen, meist bei den Kindern das Gegenteil beewirkt.

Seit ein paar Jahren ist es auffallend zu beobachten, wie sich das Brauchtum aus der vorchristlichen Zeit verändert und immer mehr mit einem anderen Brauch aus den oben genannten Regionen vermischt wird - den Perchten.

Wir verfolgen diesen Wandel schon seit längerem und sind davon natürlich auch betroffen, wie man unschwer an unseren Masken erkennt - sieht man sich die Entwicklung des Krampus aber nicht nur über die letzten paar Jahrzente an, sondern über einen viel längeren Zeitraum, so fällt einem anhand der bekannten, bildlich festgehaltenen Überlieferungen auf, dass sich unser schönes Brauchtum ständig verändert und weiterentwickelt hat.

Viel wichtiger ist es unserer Meinung nach einmal zu verstehen, was geschichtlich gesehen hinter Krampus, Percht und Nikolo steckt und warum wir uns Jahr für Jahr maskieren und durch die Ortschaften ziehen - genau hier sehen wir uns und auch andere Vereine und Gruppierungen in der Pflicht, diese Werte wieder vermehrt zu vermitteln, was wir im folgenden auch tun wollen. Da es sehr viele Variationen und regionale Besonderheiten gibt möchten wir euch einen allgemeinen Überblick geben und uns auf unsere Region bechränken.

Der Krampus und der Nikolo

Der Krampus, oft auch Kramperl oder Bartl genannt, ist eine Schreckgestalt die in Begleitung des heiligen Nikolaus auftritt, der Zeitraum beschränkt sich auf die Adventzeit - in unserem Fall auf den 5. Dezember mit den Hausbesuchen und die zwei bis drei Wochen davor. Es gibt unserers Wissens nach keine Quellen vor Ende des 16. Jahrhunderts, die etwas zum Brauchtum nachweisen - es wird behauptet, dass sich der Brauch seit Mitte des 17. Jahrhunderts entwickelt, wo die braven Kinder vom Nikolaus beschenkt und die unartigen vom Krampus bestraft wurden - die ersten bildlichen Überlieferungen zu den Hausbesuchen gibt es aus dem 18. Jahrhundert.

Der Name leitet sich vom mittelhochdeutschen Krampen, 'Kralle' oder bairisch Krampn ab, was so viel bedeutet wie etwas Lebloses, Vertrocknetes, Verblühtes, Verdorrtes. In Italien und Slowenien gibt es noch weitere Abwandlungen, die unserorts allerdings nicht sher geläufig sind, wie z. B. parkelj.

Die Gruppierung aus Nikolaus und seinen Begleitern - wie Krampus, Engerl, Körberlträger etc. - wird auch als Pass bezeichnet - diese ist beispielsweise in der Region des Salzkammergut sehr geläufig.

Über das Aussehen der Krampusse könnte man stundenlang diskutieren und man würde höchstwahrscheinlich zu keinem Ergebnis kommen bzw. würde sich herausstellen, dass die verschiedensten Interpretationen ihre Richtigkeit haben - hier sollte jede Gruppe am besten ihre eigenen Werte definieren.

Unsere Werte sind anhand der aktuellen Aufnahmen sicher ganz deutlich erkennbar ;-)


Krampus vs. Percht

Doch wo liegt nun der Unterschied zum Percht und wie kommt es, dass beide Gestalten immer häufiger zugleich auftreten?

Grundsätzlich muss man zuerst zwischen Schönperchten und Schiechperchten unterscheiden - zweiteres ähnelt wie der Name schon andeutet dem Krampus - deren ursprüngliche Aufgabe ist es in den Rauhnächten, beginnend zu Weihnachten bis vor den Dreikönigstag, den Winter bzw. die bösen Geister des Winters austreiben. Als wichtigstes Utensil dienen dazu die Glocken der Perchten.

Warum Krampus und Percht heutzutage sehr oft gleichzeitig anzutreffen sind, ist pauschal schwer zu sagen, unserer Meinung nach geht es aber immer mehr darum einfach eine gute Show zu liefern und Präsenz zu zeigen und weniger um die oben beschriebenen ursprünglichen Bräuche - wie aus den Zeitungsartikeln der letzten Jahre hervorgeht funktioniert das scheinbar auch immer besser. Die Entscheidung wo und vor allem wie man auftreten will muss schlussendlich jeder für sich selbst treffen.


Wir für unseren Teil versuchen unserer Linie treu zu bleiben und euch das uns bekannte Brauchtum so eindrucksvoll wie möglich zu vermitteln, damit auch bei den nachfolgenden Generationen die Begeisterung und Freude für Krampus und Nikolo erhalten bleiben.